Ortschronik von Holzhausen - 700 Jahre Geschichte - Chronik für den Leipziger Ortsteil Holzhausen & Zuckelhausen

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Chronik Holzhausen bei Leipzig

Die Ortschronik von Holzhausen - 700 Jahre Geschichte ...


In der Ortschronik für den Leipziger Ortsteil Holzhausen & Zuckelhausen erfährt der Besucher Interessantes zum Ort über die Jahrhunderte. Es wird die Geschichte der ehemaligen Gemeinden Holzhausen und Zuckelhausen seit der Besiedlung im frühen Mittelalter, die Wirren während der Völkerschlacht bis heute dargestellt.


Etwa 1100 erfolgte Besiedlung des heutigen Gebietes durch die deutsche Ostexpansion. Cirka 1200 Flamen vom Niederrhein gründen das Dorf "Holzhausen" 
1289 Holzhausen wird erstmalig durch den Bischof von Merseburg urkundlich erwähnt. 

1300-1325 Ein Richter "Berwig" wird in Holzhausen mit der Richterstufe belehnt. Seine Nachkommen werden bis 1529 in diesem Amt genannt. 

Das östlich gelegene Dorf "Kolmen" wird 1335 von seinen Bauern aufgegeben. 

1349 hat Ritter Heinrich von Haidecken hat das Schultheißenamt und Gericht inne, wie schon in Kolmen zuvor.

Laut Leipziger Stadtbuch wird 1359 Holzhausen vom Wegepfennig befreit und baut dafür Wege und Brücken. 

Im Jahre 1383 gibt Ritter Tham Pflug Holzhausener Bauern Teile des Zauchewäldchens als Erblehen, diese sind festgeschrieben im sogenannten "Zauchebrief" 
Am 16.Dezember 1383 wird das Dorf Holzhausen dem Augustiner Chorherrenstift "SanktThomas" zu Leipzig übereignet.

Dem Gasthof Holzhausen wird 1459 das Brau- & Schankrecht durch Kurfürst Friedrich zugestanden. 

Foto: Karte Umgebung von Holzhausen 1595
Foto: Umgebung von Holzhausen 1595

1475 werden im Ort Holzhausen werden 25 Höfe und 27 Bauern namentlich gezählt. Die Zählung dient zur Erhebung der Türkensteuer. 

Im 14. und 15. Jahrhundert werden in den Besitzungen des Chorherrenstifts werden Gerichtstage durchgeführt.

Die Bauer in Holzhausen verweigern 1523 die Abgaben an das Chorherrenstift.  In Holzhausen entsteht eine der ersten lutherischen Kirchenordnungen Sachsens.

1524 wird der Bauer "Brixis Hertel" wird von Vier Männern erschlagen. 
Ein Sühnekreuz aus Stein erinnert an diesen Mord.

Nachdem im Jahre 1529 in Holzhausen eine eigene "Pfarre" eingerichtet wird, verbietet Herzog Georg 1532 den Leipziger Bürgern die Teilnahme am evangelischen Gottesdienst.
Nach seinem Tode 1539 wird auch Leipzig evangelisch


Herzog Georg der Bärtige aus Leipzig
Herzog Georg der Bärtige gest. 1539

Am 6. Februar 1547 wird Holzhausen von "Reutern & Hackenschützen" aus der Stadt Leipzig überfallen und ausgeplündert, weil sich die Bewohner von Holzhausen weigern am "Schleifen" der von Kurfürst J.Friedrich bei der Belagerung Leipzigs aufgeworfenen Batterien zu beteiligen. 

Die Gemeinde Holzhausen sucht 1584 beim Gerichtstag um die Genehmigung zur Errichtung einer Schmiede nach, welche in den folgenden Jahren in der Grimmischen Straße - wo heute noch ein Schmied ist - errichtet wird. 

Der Schulmeister "Jakob Pauchner" beklagt 1598 geringen Schulbesuch.

Im Dreißigjähriger Krieg leidet die Bevölkerung in den Jahren von 1632 bis 1637 schwer unter Raub, Brandschatzung und Kontribution.

Die Schwedische Artillerie beschießt 1637 vom Holzhausener Kolmberg aus das Nachbardorf Liebertwolkwitz.

In den Jahren Kriegsjahren 1632-1643 wütet die Pest, wobei die Hälfte aller Einwohner von Holzhausen der Seuche zum Opfer fallen. 

Schwedische Offiziere gebrauchen 1645 die Holzhausener Zauche zum sogenannten "hetzen und jagen" 

Foto: Holzhausen Kirchenbucheinträge 1592/93
Kirchenbucheinträge 1592/93

Vom Jahre 1652 an normalisiert sich das Leben im Dorf. Es gibt wieder reitende Postboten. 

1663 fährt wieder eine Postkalesche auf der Poststraße über Grimma nach Dresden. 

Das Amt des Revierförsters wird 1722 in Holzhausen für die bisher verpachteten Wald- und Flurgebiete geschaffen. 

Der Förster wohnt ab 1767 in Holzhausen. 

Johann Jacob Beyer aus Podelwitz errichtet 1759 an der "Wolkser" Straße eine Windmühle. 

Die alte Kirche wird 1768 bis auf den viereckigen Kirchturm wieder aufgebaut.

Foto: Die alte Kirche & Schule Holhausen um 1820
Foto: Die alte Kirche & Schule Holhausen um 1820

Der Vorabend der Völkerschlacht zu Leipzig am 14.Oktober 1813. Napoleon zieht seine Truppen um Leipzig zusammen. Auch in Holzhausen liegen französische Truppen und liefern sich erste Schusswechsel mit den österreichischen Truppen General Baumgartens am "Pößgraben" an der Poststraße nach Grimma.

Am 15.Oktober 1813 kommt der französiche Kaiser und Kriegsherr Napoleon von Liebertwolkwitz über Holzhausen nach Baalsdorf und inspiziert seine Truppen. 

Auf Befehl Napoleons erobert am 16.Oktober 1813 Marschall Macdonald und Divisionsgeneral Sebastiani mit dem 2. Reiterkorps den Kolmberg zwischen Liebertwolkwitz und Holzhausen.

Er scheitern jedoch in Seifertshain, welches von den Österreichern unter Kavallerie-General Klenau gehalten wird. 

Truppenkarte zur Völkerschlacht 1813
Bild: Truppenkarte zur Völkerschlacht 1813 bei Leipzig

Früh am 18.Oktober 1813 beginnt der Rückzugkampf Napoleons. Die Verbündeten Armeen unter Bennigsen - Russen und Polen, Österreicher, Preußen und Kosaken stehen den Franzosen gegenüber, welche inzwischen den Kolmberg verlassen haben.

Die französische Division Charpentier verteidigt sich in Holzhausen eisern gegen den Angriff der Österreicher. 

Gegen Mittag gelingt es russischen Divisionen von Norden & Osten Holzhausen einzunehmen.

Das ganze Dorf brennt, die Kirche und viele Bauerngüter sind zerstört. Es sterben viele Bewohner auch an den Seuchen, so dass viele Güter verwaisen.

Weblink --> Die Völkerschlacht 1813 bei Leipzig


Foto: Angriff der Österreicher 1813 auf Holzhausen

Die bis auf den Turm aufgebaute Kirche wird 1818 eingeweiht. Eine Branntweinbrennerei wird 1827 eingerichtet.

Holzhausens Bauern können 1832 sich durch ein neues Gesetz im Königreich Sachsen von Feudallasten wie Lehenszins, Frondienste und Naturalabgaben freikaufen.

Holzhausen hat 1834 296 Einwohner und 48 Häuser. 1838 Durch eine neue sächsische Landgemeindeordnung beginnt eine kommunale Selbstverwaltung. 

Im folgenden Jahr wird ein Gemeindevertreter gewählt. 


Foto: Alte Schule Holzhausen (1909 abgerissen) 


Foto: Kirchenturm Holzhausen 1857
Das Gerichtsamt Leipzig übernimmt 1853 die Aufgaben der alten Propsteigerichtsverwaltung. 

Der Kirchturm wird 1857 ausgebaut. 

Die alte Schule wird 1864 zum Gemeindeamt und Nachtwächterwohnung.

Die neue Schule wird 1857 an die Stelle des ehemaligen Gemeindeamtes gebaut. Die Gemeindevertreter in Holzhausener sind gegen eine 2.Schenke, da dies die Moral des Gesindes untergräbt. 

Im Jahre 1868 wird ein örtlicher Kirchenvorstand gebildet. 

Ab 1870 folgen Jahre mit rascher Bevölkerungsentwicklung in Holzhausen.

Die industrielle Entwicklung in Sachsen gegen Ende des 
19. Jahrhunderts erfasst auch Holzhausen.

Die Verkehrsverbindungen werden ausgebaut und am 30.April 1887 wird die Bahnstrecke Leipzig Paunsdorf nach Geithain über Holzhausen wird in Betrieb genommen. 

1890 hat Holzhausen bereits 706 Einwohner

1891 bekommt Holzhausen ein eigenes Postamt sowie den ersten Telefonanschluss. 



Das Straßenangerdorf Holzhausen 1890

Drei Jahre später wird im Jahr 1900 der Bahnhof in Holzhausen eröffnet. 
Der neue Bahnhof "Holzhausen-Zuckelhausen" stellt den in den letzten Jahren zahlreich entstandenen Gartenbaubetrieben eine Verladerampe zur Verfügung.


Foto: Bahnhof Holzhausen um 1920

Foto: Schule Holzhausen
Foto: Schule Holzhausen

Die jetzige Schule wird 1901 eingeweiht. Die Turnhalle dazu wird später 1929 errichtet 

Die Firma Krautzberger & Co legt 1905 Ihren Hauptsitz nach Holzhausen und wird die älteste & größte Spritzapparate-Firma der damaligen Zeit. 1910 hat Holzhausen hat 1488 Einwohner .

Seit 1900 haben sich viele Vereine gegründet. 1904 der Fahrrad- und der Gesangsverein und 1905 der "Gemeinnützige Verein", der 1908 zum Sozialdemokratischen Ortsverein wird.

100 Jahre nach der Völkerschlacht wird in Leipzig 1913 das Völkerschlachtdenkmal eingeweiht und in Holzhausen als Beitrag Österreichs zu den Feierlichkeiten ein bronzener kaiserlicher Doppeladler als Denkmal aufgestellt. 

Foto: Österreicher Denkmal 1813 - Doppeladler
Österreicher Denkmal 1813 - Doppeladler 

Die Bahnstrecke wird 1914 zweigleisig ausgebaut. Holzhausens Gewerbebetriebe erleiden durch den 1. Weltkrieg Rückschläge. Holzhausen und Zuckelhausen erhalten 1916 erstmals seit 1540 einen eigenen Pfarrer.

Alter Gasthof Zur Börse ca. 1910
Foto: Holzhausen Gasthof "Zur Börse" um 1910

Bäckerei Steuernagel 1920
Foto: Bäckerei "Steuernagel" in den Zwanzigern

Während der Novemberrevolution in Deutschland wird Holzhausen am 11.November 1918 über Nacht dem Arbeiter- & Soldatenrat unterstellt und am 27.November wird ein Arbeiterrat für Holzhausen gewählt. 

1920 1920 Alter Gasthof " Zur Börse " ca. 1910 1922 

Nach der Herstellung der Regierungsgewalt im Mai 1919 wird in Holzhausen die Ortsgruppe der KPD gegründet. 

Die Firma Fränkel & Viebahn siedelt sich 1922 auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei in der Händelstraße an und produziert Feuerungsanlagen für Braunkohle. 

1925 Holzhausen hat 1714 Einwohner, 1929 gibt es bereits 3 Sportvereine - die Fußballer werden mehrmals Sachsenmeister!


Firma Fränkel & Viebahn später VEB MIFEU 1925  

1931 infolge der Weltwirtschaftskrise wird die Firma Krautzberger & Co GmbH geschlossen.

Der Zusammenschluss Holzhausens & Zuckelhausens wird 1928 beschlossen und 1934 vollzogen.

Erntedankfest in Holzhausen während der Dreißiger Jahre
Foto: Erntedankfest in den Dreißiger Jahren

Foto Holzhausen &  Zuckelhausen wächst bis 1944 zusammen
Foto: Holzhausen & Zuckelhausen wächst zusammen  1944

Die NSDAP übernimmt 1933 die Macht in Deutschland und zieht auch in den Gemeinderat Holzhausen. 
1935 ersetzt eine staatliche nationalsozialistische Aufsichtsbehörde den gewählten Bürgermeister. 

Nach intensiver Bautätigkeit um 1939 in den Siedlungen "Mühlbergsiedlung", "Schreberstrasse", "Ostmarksiedlung" [heute "August Bebel Siedlung"] und dem "Krausewäldchen" sowie innerhalb des Ortes erreicht Holzhausen jetzt zusammen mit Zuckelhausen 5967 Einwohner und hat eine Fläche von 1293 ha. 

Der 2. Weltkrieg kommt im Oktober 1943 heim ins "Reich". Holzhausens Bürger sitzen in ihren Kellern und zittern - Fensterscheiben in ganz Holzhausen fliegen aus dem Rahmen. Schwere amerikanische Bombenangriffe auf Leipzig treffen die Siedlungen besonders im Süden. 

August Bebel Siedlung nach dem amerikanischen Bombenangriff im Oktober 1943

Bilder: Holzhausen - Ostmarksiedlung - Zerstört im 2.Weltkrieg

Bilder: Ostmarksiedlung [ heutige August Bebel Siedlung ] nach dem amerikanischen Bombenangriff im Oktober 1943

Aber auch die russische Front rückt näher. Seit 1944 werden in Holzhausen Baracken als sogenannte Behelfsheime errichtet, um die vielen Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten notdürftig aufzunehmen.

Am 18. April 1945 besetzen amerikanische Truppen kampflos Holzhausen. Viele Einwohner empfangen die US-Soldaten mit weißen Fahnen. Doch das US Amerikanische Engagement hält sich in Grenzen. Ende Juni verlassen die Amerikaner Sachsen.

In Holzhausen gibt es jetzt Tage der Angst und Enttäuschung.
Am 3.Juli 1945 erfolgt der gefürchtete Einmarsch sowjetischer Truppen. Nach den amerikanischen Jeeps fahren jetzt russische Panjewagen durch Holzhausen. 

Der von den Amerikanern eingesetzte Bürgermeister wird durch Mitglieder des "antifaschistischen Blocks" ersetzt.  Die Sowjets demontieren ab dem 7.Juli 1945 Anlagen der Firma Krautzberger. 


Behelfsheimsiedlung an der Rietzschke 1945  

Am 4.Dezember 1945 wird die Firma Fränkel & Viehbahn enteignet und in den VEB Mitteldeutscher Feuerungsbau (MIFEU) umbenannt. 

Im Jahre 1946 hat Holzhausen durch die Flüchtlinge 6.742 Einwohner, am Ende des Jahres findet die erste und letzte freie Kommunalwahl bis 1990 statt.

Die sowjetische Besatzungsmacht ordnet 1947 die Demontage des 2.Gleises der Bahnstrecke nach Liebertwolkwitz an. 

1948 wird die enteignete Firma Krautzberger & Co GmbH zu den volkseigenen Sprio Werken und ist ab 1952 wieder selbstständig.

Holzhausen in den vierziger Jahren
Holzhausen in den Vierziger Jahren

Die Landwirtschaft wird zwangskollektiviert und am 20.Januar 1953 die LPG Holzhausen  (Landwirtschafliche Produktionsgenossenschaft) gegründet. Bis 1957 wird Sie die größte LPG im Landkreis Leipzig und bewirtschaftet 84% der Felder. 

1953 - 2000  JA - HIER IST WOHL EINE LÜCKE Helfen Sie mit, hier ein objektives & neutrales Geschichtsbild von Holzhausen während der DDR und Nachwendezeit zu erarbeiten. Ihr Wissen, Erfahrungen sind gefragt. Ich bin dankbar über Informationen, Texte und Fotos etc. aus dieser Zeit. --> Kontakt 

Am 01.Januar 2001 Holzhausen wird in die Stadt Leipzig zwangseingemeindet, obwohl die Bürger bei einem öffentlichen Bürgerentscheid mit 84% dagegen votiert haben. Seit dem gibt es nur noch einen Ortsvorsteher(in) in Holzhausen. Holzhausens Einwohner erfreuen sich über bis zu 40% höhere Gebühren, Abgaben und Versicherungsbeiträge. Straßenbau und andere öffentliche Investitionen scheinen seit dem bei null zu liegen.

Der Ortsteil Holzhausen zählt im Jahr 2002 6397 Einwohner. Leipzig beschließt die vor wenigen Jahren sanierte Oberschule zu schließen. 

Die Deutsche Bahn beginnt im September 2003 mit dem Ausbau der Bahnstrecke Leipzig-Chemnitz mit dem Ziel durch Holzhausen mit 160km/h zu fahren. 
Die Bahnsteige werden hierbei mit saniert, das verfallene Bahnhofgebäude jedoch nicht.

Seit 2005 hat Holzhausen mit dem Bahnbetreiber Connex eine günstige Zugverbindung (7min) nach Leipzig.

2006/2007 wird der zur Ruine verkommene ehemalige historische Gasthof "Sächsisches Haus" nach jahrelangen Hin und Her abgerissen. Der Jahrhunderte alte kulturelle dörfliche Mittelpunkt bereits 1459 urkundlich erwähnt und wurde 1792 vom Gastwirt Johann Gottfried Müller nach einem Brand errichtet. Heute erinnert das erhaltene Eingangsportal mit den Initialen "JGM" und der Jahreszahl "1792" an den Erbauer.

Am 23.März.2007 wurde nach 16 Wochen Bauzeit an selbiger Stelle ein Supermarkt eröffnet. Die außergewöhnliche architektonische Gestaltung vom Architektenbüro Weis & Volkmann aus Leipzig im Auftrag der neuen Besitzer und unter den Auflagen der Stadtverwaltung Leipzig, ist gekrönt von einem Stahlgerüst und im Ort sehr umstritten. Es stellt die Umrisse des historischen alten Gasthofes dar und soll in den kommenden Jahren mit Pfeifenwinde begrünt werden.  

 

Informationen zur Geschichte der Stadt Leipzig finden Sie hier:

Die Leipzig Stadt Chronik:   >> Leipzig von 1165-1799   >> 1800 - 1899   >> 1900 - heute 

 
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